Heute habe ich eine interessante Theorie gehört. Nur mit Eitelkeit lasse sich kreativ arbeiten. Auch T. hat die Theorie gehört und fand sie sehr schlüssig. Wenn man nicht denkt, so sagte sie, man sei besonders schön, also schön im umfassendsten Sinne, glaubt man wahrscheinlich auch nicht, es würde sich lohnen, Dinge zu produzieren. Das sei merkwürdig und nicht unterstützenswert, sagte T., um sich dann mit der Merkwürdigkeit der Sache auseinanderzusetzen. Was für ein seltsamer Zusammenhang, grübelte sie. Und manchmal funktioniere es ja auch andersherum, dass die Produktion zur Selbstverliebtheit führe. Aber eben nur, wenn sie anerkannt werde, von anderen, von einem selbst. Und dann wiederum gibt es so viele Gründe, nicht stolz auf sich zu sein, dass die Eitelkeit also ein schwieriges Unterfangen wäre. Immerhin müsse man eitel genug sein, um eitel und damit produktiv zu sein. Auf was aber könne man stolz sein? Ja, wohl nicht auf alles. Das, was einen mit Stolz erfülle, sei bereits ein Produkt des Normsystems, an das man glaubt oder in dem man lebt. Ein Produkt, das zur Produktivkraft führe also, vorausgesetzt, man sei eitel genug, an sich und andere zu glauben. Dann vesank T. in Schweigen. Und der Abend war gerettet.
Über die Komplexität der Eitelkeit
August 30th, 2011T. schreibt ihr Exposé
August 22nd, 2011und schafft es tatsächlich in drei Stunden. Mit drei Kaffees und ein bisschen Gezeter. Ich denke, es handelt sich hierbei um eine klassische ‚Hassliebe‘. Sie schreibt so gern, aber dann denkt sie, ihr falle nichts ein, und wenn ihr doch etwas einfällt, dann denkt sie, es sei zu unwichtig, um aufgeschrieben zu werden. So denkt sie oft eine ganze Weile, trinkt noch einen Kaffee und hat am Ende schlechte Laune. So auch heute. Mit dem kleinen Unterschied, dass am Ende doch etwas auf dem Papier stand, das war schon fast gruselig. Eine Aporie, auch wenn T. gerade meinte, dass sei etwas völlig anderes, man könnte es eine Aporie nennen. Vielleicht aporitisch, wenn es das Wort gäbe. Dann wäre auch ich irgendwie aporitisch und T. sollte sich die Frage stellen, was jenseits davon ist, falls das nicht auch wieder eine aporitische Frage wäre. Heute hat T. erfahren, dass viele Menschen ihre Haare alle zwei bis drei Tage waschen. Das hat T. erschüttert. Ich wette, sie wird es jetzt auch versuchen. Scheitern. Es wieder versuchen und sich dann eine neue Aufgabe suchen. Und spätestens dann an ihrem Exposé etwas finden, was es wertlos macht.
Im Hallenbad hat die Herbst-, Wintersaisson begonnen
August 21st, 2011Da mussten wir gestern natürlich gleich mal hin und nachschauen. T. hat es 45 Minuten im Wasser ausgehalten, ich gerade mal fünf. Ich denke mir, dass Bäume nicht alles können müssen. Immerhin bin ich wahrscheinlich einer der wenigen, die einen Blog betreibt – hin und wieder, gibt T. zu bedenken. Ja, hin und wieder. Dann aber mit voller Hingabe. Hingabe ist gerade T.s Lieblingswort. Wenn sie etwas tut, dann will sie es mit ‚Hingabe‘ tun. Nicht einfach nur so mal eben oder weil man es halt macht oder muss. Nein, mit ‚Hingabe‘ soll es sein. Ich persönlich mag Hingabe ja auch sehr gern. Trotzdem könnte T. ihr Bett mal wieder frisch beziehen und mich gießen. In den letzten Wochen hat sie sehr hingebungsvoll an einem Text gearbeitet, in dem es um die ‚Fotografie des Unsichtbaren‘ ging. Klar, dass man dabei so manches übersieht. Umso besser finde ich es, dass sie es gestern – trotz Schienenersatzverkehr – in die Wintersaisson des Hallenbads geschafft hat. Im Bus des Ersatzverkehrs, meinte sie, fühle sie sich immer ein bisschen wie in den Ferien. Wahrscheinlich, weil er eine Strecke fährt, die sie sonst nie fährt. Vielleicht, weil sie aber auch schon so lang nicht mehr in den Ferien war, dass sie gar nicht mehr weiß, wie es dort aussieht. Mit ihrem Lieblingsbaum diskutierte sie heute morgen die Frage, ob das Bedürfnis nach Urlaub eine anthropologische Konstante sei. Ich glaube, sie sind sich darin noch nicht einig geworden.
Schlecht geschlafen
August 19th, 2011Dieses Mal nicht ich, sondern T., die tatsächlich einen über den Durst getrunken hat. Und was für einen. Später klagte sie, sie sei zu müde zum Einschlafen gewesen, aber ich habe genau gesehen, wie lang sie gebraucht hat, um ihr Fahrrad im Hof abzuschließen. Ich finde das ja gut. T. soll sich auch mal amüsieren. Und ich amüsiere mich sowieso am besten, wenn sie nicht da ist. Gestern Abend zum Beispiel. Da hab ich mich mit den Nachbarn getroffen und unten im Garten gesessen. Die sind gar nicht so blöd, wie T. immer behauptet. Trotzdem werde ich es ihr nicht erzählen. Die kleine Katze war auch da, ich habe vergessen, wie sie heißt. Jedenfalls. Haben wir Wein getrunken und es war ein wahres Sommernächtchen. Bis T. kam. Da fings dann an zu gewittern. Deshalb, sagt T., habe sie so schlecht geschlafen. Ihre Haare sind auch mal wieder nicht gewaschen und sie beschwert sich darüber, dass das Kissen so komisch riecht. Hoffentlich setzt sie sich morgen wieder an ihre Diskursanalyse. Irgendwie ist sie dann immer viel ausgeglichener. Obwohl ich finde, dass auch T. sich mal amüsieren sollt.
Schande, wie lang schon wieder die letzten 2376 Worte zurückliegen
August 17th, 2011Ja, es ist schlimm. Die Zeit vergeht zu schnell und immer wieder wird zu viel getan in der Zeit, oft sogar dasselbe. T. meint, das hätte was mit Spießigkeit zu tun. Und dass sie es halt sei. Spießig. Ihr seis egal und wenn es hilft. Ich habe T. gefragt, ob ich auch spießig sei. Aber da hat sie schon wieder was anderes gemacht und mir nicht mehr zugehört. Egal. Wenn es ihr hilft. Heute war Staubsaugen dran. Und von ihren Augenbrauen hat sie auch was weggenommen. Da bei der Staatsbibliothek, sagt T., sei wohl neulich ein Auto abgebrannt. Der Busch und ein Baum seien total versengt. Oh. Das wollte sie mir eigentlich gar nicht erzählen. Eigentlich sei auch nur die halbe Seite des Baums angekokelt. O.k. Ich solle mir mal keine Sorgen machen, in die Bibliothek würde ich ja sowieso nicht allzu oft gehen. Der Sommer sei toll gewesen, sagt sie dann. Bis auf die paar heißen Tage. So könnts jedes Jahr sein. Auch wenn man dann wieder dasselbe machen würde wie immer und das sei wahrscheinlich auch irgendwie spießig. Wenn T. an den Nägeln kaut, sehe ich, dass sie Hände wie eine Schildkröte hat.
